Quetiapin: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen
Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum und wird bei Schizophrenie, bei bipolarer Störung und in bestimmten Fällen ergänzend bei Depression angewendet. In Österreich ist der Wirkstoff rezeptpflichtig. Diese Seite informiert über Anwendung, Nebenwirkungen und die Rechtslage in Österreich. Sie ersetzt weder die Gebrauchsinformation Ihrer Packung noch die Betreuung durch die behandelnde Fachärztin oder den behandelnden Facharzt.
Wofür wird Quetiapin angewendet?
Quetiapin wird bei schweren psychischen Erkrankungen angewendet, die eine dauerhafte fachärztliche Begleitung brauchen. Zugelassen ist der Wirkstoff bei Schizophrenie, bei manischen und bei depressiven Episoden im Rahmen einer bipolaren Störung sowie zur Vorbeugung neuer Episoden bei Menschen, die zuvor darauf angesprochen haben. Retardierte Formen werden zusätzlich als Ergänzung zu einem Antidepressivum eingesetzt, wenn eine depressive Episode auf die bisherige Behandlung nicht ausreichend anspricht. Quetiapin wirkt auf mehrere Botenstoffsysteme im Gehirn, unter anderem auf Dopamin- und Serotoninrezeptoren, und dämpft dadurch Wahrnehmungsstörungen, Antriebssteigerung und innere Unruhe. Aus der stark beruhigenden Wirkung folgt kein Einsatzgebiet als Schlafmittel. Eine Anwendung in niedriger Dosierung allein wegen Schlafstörungen ist nicht zugelassen und wird in Leitlinien nicht empfohlen, weil das Nebenwirkungsprofil eines Antipsychotikums in keinem sinnvollen Verhältnis zu dieser Indikation steht. Bei älteren Menschen mit Demenz und Verhaltensauffälligkeiten sind Antipsychotika mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden, für diese Anwendung ist Quetiapin nicht zugelassen.
Welche Nebenwirkungen hat Quetiapin?
Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen Müdigkeit und den Stoffwechsel. Beschrieben sind ausgeprägte Schläfrigkeit besonders zu Behandlungsbeginn, Schwindel, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Verstopfung, gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme, außerdem Veränderungen von Blutfetten und Blutzucker sowie Blutdruckabfall beim Aufstehen. Deshalb gehören Gewicht, Blutzucker und Blutfette in eine regelmäßige Kontrolle. Ernster, aber seltener sind Bewegungsstörungen bis hin zu Spätdyskinesien, Verlängerungen der QT-Zeit im EKG, ein starker Abfall weißer Blutkörperchen sowie das maligne neuroleptische Syndrom mit hohem Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinstrübung. Suchen Sie ärztliche Hilfe bei hohem Fieber mit Muskelsteifigkeit, bei Ohnmacht, bei Herzstolpern, bei anhaltenden Halsschmerzen mit Fieber oder bei unwillkürlichen Bewegungen von Mund und Zunge. Wie bei allen Arzneimitteln gegen Depression gilt zu Beginn der Behandlung und nach jeder Dosisänderung eine besondere Aufmerksamkeit: Unruhe, Angst und Gedanken an Selbstverletzung können vorübergehend zunehmen, am deutlichsten bei Menschen unter 25 Jahren. In dieser Phase ist eine engmaschige Begleitung wichtig. Beenden Sie die Einnahme nicht abrupt, weil Absetzbeschwerden auftreten können.
Dosierung und Einnahme von Quetiapin
Die Dosierung ist bei Quetiapin streng individuell und unterscheidet sich je nach Erkrankung erheblich, deshalb nennen wir hier bewusst keine Zahlen für Ihren Fall. Gemeinsam ist allen Anwendungsgebieten, dass die Behandlung einschleichend beginnt und über mehrere Tage gesteigert wird, bis die vereinbarte Erhaltungsdosis erreicht ist. Dieses Vorgehen mindert Schwindel und Blutdruckabfall am Anfang. Es gibt Tabletten mit sofortiger Freisetzung und Retardtabletten mit verzögerter Freisetzung. Beide sind nicht ohne Weiteres austauschbar, weil sich Einnahmezeitpunkt und Verteilung über den Tag unterscheiden. Retardtabletten werden unzerteilt geschluckt, Zerkauen oder Zerdrücken hebt die verzögerte Freisetzung auf. Hinweise zur Einnahme mit oder ohne Mahlzeit hängen von der Darreichungsform ab und stehen in der Gebrauchsinformation Ihrer Packung. Ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig und beenden Sie das Präparat nicht plötzlich, sondern besprechen Sie jede Änderung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Wegen der beruhigenden Wirkung ist zu Beginn und nach jeder Dosisänderung Vorsicht beim Lenken von Fahrzeugen und beim Bedienen von Maschinen geboten.
Ist Quetiapin in Österreich rezeptpflichtig?
Ja. Quetiapin ist in Österreich rezeptpflichtig und wird in der Apotheke nur gegen ärztliche Verschreibung abgegeben. Es fällt nicht unter das Suchtmittelrecht, ist also kein Suchtgift, sondern unterliegt der gewöhnlichen Rezeptpflicht. Den Zulassungsstatus des einzelnen Präparates können Sie im Arzneispezialitätenregister des BASG nachsehen. Bei der Verschreibung sind zwei Wege zu unterscheiden. Ein Kassenrezept wird über die e-card abgerechnet, bei erstattungsfähigen Präparaten fällt die Rezeptgebühr an. Ein Privatrezept, also die Verschreibung einer Wahlärztin, eines Wahlarztes oder einer Ärztin beziehungsweise eines Arztes aus einem anderen EU-Land, wird von jeder Apotheke akzeptiert, die Kosten tragen Sie jedoch zunächst selbst. Verschreibungen aus anderen EU-Mitgliedstaaten gelten in Österreich als Privatrezept und müssen die Angaben nach der EU-Durchführungsrichtlinie 2012/52/EU enthalten. Unabhängig davon bleibt die fachärztliche Begleitung der Behandlung notwendig, weil regelmäßige Kontrollen zum Behandlungskonzept gehören.
Warum wir Quetiapin derzeit nicht online beurteilen
Wir beurteilen Antipsychotika derzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer bereits eingestellten Therapie. Auf dieser Seite gibt es deshalb nichts zu bestellen, und es fallen bei uns keine Kosten an. Der Grund liegt in der Art unserer Leistung: Sie füllen einen schriftlichen Fragebogen aus, den eine Ärztin oder ein Arzt getrennt beurteilt - ohne Videosprechstunde und ohne Telefontermin. Quetiapin erfordert außerdem eine fachärztliche Begleitung und Kontrollen von Gewicht, Blutzucker und Blutfetten; ein schriftlicher Fragebogen ersetzt weder das eine noch das andere. Eine Ersteinstellung gehört ohnehin nicht in ein Formular.
Wenn Ihre Packung Quetiapin zur Neige geht, wenden Sie sich rechtzeitig an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder an die Praxis, die Sie behandelt, und setzen Sie das Arzneimittel nicht eigenmächtig ab: abruptes Absetzen kann Absetzsymptome auslösen. Bei akuter Verschlechterung oder Suizidgedanken wenden Sie sich sofort an Ihre Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, in Notfällen an 112.
Preis und Erstattung in Österreich
Der Betrag, den Sie in der Apotheke zahlen, hängt vor allem von der Art der Verschreibung ab. Ist ein quetiapinhaltiges Präparat im Erstattungskodex der Sozialversicherung gelistet und wird es auf Kassenrezept verordnet, übernimmt die ÖGK die Kosten und es fällt die Rezeptgebühr je Packung an. Die Höhe wird jährlich angepasst und ist bei der ÖGK abrufbar. Wer im Kalenderjahr über die Rezeptgebührenobergrenze hinaus gezahlt hat, ist für den Rest des Jahres befreit; daneben gibt es Befreiungen aus sozialen Gründen. Bei einem Privatrezept, und dazu zählt jede Verschreibung aus einem anderen EU-Land, tragen Sie den Apothekenpreis zunächst selbst. Ob Ihr Versicherungsträger nachträglich etwas rückerstattet, klären Sie direkt bei der Kasse. Arzneimittelpreise nennen wir auf dieser Seite nicht. Ein Preis für ein rezeptpflichtiges Arzneimittel wäre gegenüber Laien eine Werbeaussage, und darum geht es hier nicht. Auskunft über den Preis eines konkreten Präparates gibt jede Apotheke.
Wechselwirkungen und Alkohol
Alkohol und Quetiapin sind eine ungünstige Kombination, weil beide dämpfend wirken und sich gegenseitig verstärken. Schläfrigkeit, Schwindel, verlangsamte Reaktionen und Blutdruckabfall nehmen zu, das Risiko von Stürzen und Unfällen steigt. Während der Behandlung ist Alkohol daher zu meiden. Quetiapin wird vor allem über das Enzymsystem CYP3A4 abgebaut. Starke Hemmer dieses Systems, etwa bestimmte Antimykotika, einzelne Makrolid-Antibiotika und bestimmte HIV-Arzneistoffe, erhöhen den Blutspiegel deutlich; ihre gleichzeitige Anwendung ist ausgeschlossen. Auch Grapefruitsaft hemmt dieses System und ist zu meiden. Umgekehrt senken Enzyminduktoren wie Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin und Johanniskraut den Spiegel und können die Wirkung abschwächen. Vorsicht ist zudem bei allen Arzneimitteln geboten, die die QT-Zeit verlängern oder den Elektrolythaushalt stören, sowie bei weiteren dämpfenden Mitteln. Nennen Sie deshalb in der Ordination und in der Apotheke alle Präparate, die Sie einnehmen, ausdrücklich auch rezeptfreie Mittel und pflanzliche Produkte.
Gegenanzeigen
Quetiapin darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile sowie bei gleichzeitiger Anwendung starker Hemmer des Enzymsystems CYP3A4, weil der Blutspiegel dabei unkontrolliert ansteigt. Besondere Vorsicht statt eines Verbots gilt bei Herzerkrankungen, bei bekannter Verlängerung der QT-Zeit oder entsprechenden Fällen in der Familie, bei niedrigem Blutdruck, bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte, bei Leberfunktionsstörungen, bei Diabetes oder Risikofaktoren dafür sowie bei Blutbildveränderungen. Ältere Menschen reagieren empfindlicher, und bei Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten ist Quetiapin nicht angezeigt. Vor Behandlungsbeginn gehören Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette erhoben, im Verlauf werden sie kontrolliert. Für Kinder und Jugendliche gelten je nach Präparat eigene Vorgaben. Welche Gegenanzeigen für Ihre Packung gelten, steht in deren Gebrauchsinformation; im Zweifel klären Sie das vor der ersten Einnahme fachärztlich ab.
Generikum und Originalpräparat
Ein Generikum enthält denselben Wirkstoff in derselben Menge und Darreichungsform wie das Originalpräparat und muss vor der Zulassung die gleichwertige Verfügbarkeit im Körper nachweisen. In der Wirkung besteht daher kein Unterschied. Unterschiede betreffen Hilfsstoffe, Aussehen der Tablette, Namen und Preis. Bei Quetiapin ist ein Punkt wichtiger als bei vielen anderen Wirkstoffen: Tabletten mit sofortiger Freisetzung und Retardtabletten sind nicht dasselbe und nicht ohne ärztliche Anweisung gegeneinander austauschbar, auch wenn der Wirkstoffname identisch ist. Achten Sie beim Wechsel eines Präparates darauf, dass die Darreichungsform gleich bleibt, und fragen Sie in der Apotheke nach, wenn die neue Packung anders aussieht. Welche quetiapinhaltigen Präparate in Österreich zugelassen sind, zeigt das Arzneispezialitätenregister des BASG. Ob ein Präparat erstattet wird, ergibt sich aus dem Erstattungskodex der Sozialversicherung.
Schwangerschaft und Stillzeit
In Schwangerschaft und Stillzeit wird Quetiapin nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung angewendet, weil sowohl die Behandlung als auch eine unbehandelte psychische Erkrankung Risiken tragen. Ein eigenmächtiges Beenden ist keine sichere Lösung, weil ein Rückfall Mutter und Kind gefährden kann. Bei Anwendung im letzten Schwangerschaftsdrittel wurden bei Neugeborenen Anpassungsstörungen beobachtet, unter anderem Unruhe, Zittern, Muskelsteifigkeit oder Trinkschwäche, die überwacht werden müssen. Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über; ob gestillt werden kann, wird individuell entschieden. Teilen Sie eine bestehende oder geplante Schwangerschaft frühzeitig mit, damit die Behandlung gemeinsam geplant werden kann, am besten bereits vor einer geplanten Empfängnis. Auch die Verhütung gehört besprochen, da die Behandlung meist über längere Zeiträume läuft. Entscheidungen dieser Tragweite gehören in die fachärztliche Betreuung vor Ort und nicht in einen Fragebogen.
Gebrauchsinformation und offizielle Quellen
Verbindlich ist die Gebrauchsinformation des Präparates, das Sie tatsächlich einnehmen. Sie liegt jeder Packung bei und ist im Arzneispezialitätenregister des BASG abrufbar, dem amtlichen Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Arzneispezialitäten mit Gebrauchs- und Fachinformation. Dort steht der Text, der für Ihre Packung gilt. Allgemein verständliche Krankheitsinformationen bietet das öffentliche Gesundheitsportal der Republik unter gesundheit.gv.at. Fragen zu Rezeptgebühr, Befreiung und Erstattung beantwortet die ÖGK. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beurteilung Ihres Einzelfalls und ist keine Aufforderung zur Anwendung eines bestimmten Arzneimittels. Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung haben oder sich in einer akuten Krise befinden, warten Sie nicht auf einen Termin: Die Telefonseelsorge ist in Österreich rund um die Uhr unter 142 erreichbar, in lebensbedrohlichen Situationen wählen Sie den Notruf 144 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Ambulanz im Spital.
Ist Quetiapin in Österreich rezeptpflichtig?
Ja, Quetiapin ist rezeptpflichtig und wird nur gegen ärztliche Verschreibung abgegeben. Es zählt nicht zu den Suchtgiften, unterliegt also der gewöhnlichen Rezeptpflicht. Verschreibungen aus anderen EU-Ländern werden in Österreich als Privatrezept behandelt und von jeder Apotheke akzeptiert, sofern sie die Angaben nach der EU-Durchführungsrichtlinie 2012/52/EU enthalten.
Wie schnell wirkt Quetiapin?
Die dämpfende und schlafanstoßende Wirkung spüren viele Menschen schon in den ersten Tagen. Die eigentliche Wirkung auf Wahrnehmungsstörungen oder auf die Stimmung baut sich dagegen über Wochen auf, und die Dosis wird in dieser Zeit angepasst. Beurteilen Sie den Erfolg deshalb nicht nach wenigen Tagen, sondern nach dem mit der Fachärztin oder dem Facharzt vereinbarten Zeitraum.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Im Vordergrund stehen Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung, gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme sowie Blutdruckabfall beim Aufstehen. Auch Blutzucker und Blutfette können sich verändern, weshalb sie kontrolliert werden. Die für Ihr Präparat gültigen Häufigkeitsangaben stehen in der beiliegenden Gebrauchsinformation.
Darf man unter Quetiapin Alkohol trinken?
Alkohol sollte gemieden werden. Beide wirken dämpfend und verstärken sich gegenseitig, was Schläfrigkeit, Schwindel, Blutdruckabfall und die Sturzgefahr erhöht und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Auch Grapefruitsaft ist zu meiden, weil er den Abbau des Wirkstoffs hemmt.
Wie bekomme ich eine Folgeverschreibung für Quetiapin?
Nicht über uns. Wir beurteilen Quetiapin zurzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer laufenden Behandlung, und es fallen bei uns dafür keine Kosten an. Wenden Sie sich für ein Folgerezept bitte rechtzeitig an Ihre Hausarztpraxis oder an die Praxis, die Sie behandelt.