Schilddrüsenunterfunktion: Symptome, Werte und Therapie
Müdigkeit, Frieren, trockene Haut, Gewichtszunahme: Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich langsam und wird oft spät bemerkt. Diese Seite erklärt, welche Blutwerte entscheiden, wie die Behandlung mit Levothyroxin abläuft, was die Aufnahme stört und wann es dringlich wird.
Woran erkennen Sie eine Schilddrüsenunterfunktion?
Die Schilddrüse steuert den Stoffwechsel; produziert sie zu wenig Hormon, läuft der Körper langsamer. Typisch sind anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, brüchige Nägel, Haarausfall, Verstopfung, eine Gewichtszunahme ohne veränderte Essgewohnheiten, Konzentrationsstörungen und eine gedrückte Stimmung.
Das Tückische ist die Unschärfe: Jedes dieser Zeichen kommt auch bei Schlafmangel, Eisenmangel, Depression oder einfach im Winter vor. Deshalb lässt sich die Unterfunktion an den Beschwerden allein nicht feststellen, sondern nur am Blutbefund. Umgekehrt gilt: Bei genau diesen Beschwerden gehört die Schilddrüse in die Abklärung, weil die Behandlung einfach ist, wenn die Ursache gefunden wird.
Bei Frauen wird eine Unterfunktion häufiger gefunden als bei Männern, und die Häufigkeit steigt mit dem Alter. Aufmerksam sein sollten außerdem Menschen mit einer Autoimmunerkrankung in der Familie, Frauen nach einer Geburt, Personen nach Schilddrüsenoperation oder Radiojodbehandlung sowie alle, die Arzneimittel einnehmen, die die Schilddrüse beeinflussen.
Welche Blutwerte sind entscheidend?
Der wichtigste Wert ist TSH, das Steuerhormon aus der Hirnanhangsdrüse. Es steigt an, wenn die Schilddrüse zu wenig produziert, und reagiert empfindlicher als die Schilddrüsenhormone selbst. Deshalb steht TSH am Anfang jeder Abklärung.
Ist TSH erhöht, folgt in der Regel die Bestimmung des freien T4. Ist TSH erhöht und fT4 vermindert, spricht man von einer manifesten Unterfunktion, die behandelt wird. Ist TSH erhöht und fT4 normal, liegt eine latente Form vor; ob sie behandelt wird, hängt von der Höhe des Wertes, von Beschwerden, Alter, Kinderwunsch und Begleiterkrankungen ab und ist eine ärztliche Abwägung, keine Automatik.
Ergänzend werden Antikörper gegen die Schilddrüse bestimmt, wenn eine Autoimmunerkrankung vermutet wird, sowie eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Wichtig für die Beurteilung: Ein einzelner erhöhter TSH-Wert wird nicht sofort behandelt, sondern nach einigen Wochen kontrolliert, weil er auch nach Infekten oder unter bestimmten Arzneimitteln vorübergehend steigt.
Was sind die Ursachen einer Unterfunktion?
Die häufigste Ursache in Regionen mit ausreichender Jodversorgung ist eine Autoimmunerkrankung, die Hashimoto-Thyreoiditis: Das Immunsystem richtet sich gegen die Schilddrüse, das Gewebe geht über Jahre langsam zurück. Der Verlauf ist schleichend, oft beschwerdearm und wird zufällig entdeckt.
Weitere Ursachen sind eine Operation an der Schilddrüse, eine Radiojodbehandlung, eine Bestrahlung im Halsbereich und einzelne Arzneimittel, darunter Lithium und jodhaltige Präparate. Nach einer Geburt kann eine vorübergehende Entzündung der Schilddrüse auftreten, die zuerst mit einer Über- und dann mit einer Unterfunktion einhergeht.
Österreich hat den früher verbreiteten Jodmangel durch die gesetzlich geregelte Jodierung von Speisesalz weitgehend behoben; Kropfbildung durch Jodmangel ist seltener geworden. Das bedeutet aber nicht, dass mehr Jod besser wäre: Hochdosierte Jodpräparate können bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse schaden und gehören nicht in die Selbstmedikation.
Wie wird eine Unterfunktion behandelt?
Behandelt wird mit Levothyroxin, dem synthetischen Gegenstück des körpereigenen Hormons T4. Es ersetzt, was fehlt, und ist in Österreich rezeptpflichtig. Die Behandlung ist meist eine Dauertherapie, die einmal täglich stattfindet und bei richtiger Einstellung keine Beschwerden verursacht.
Eingenommen wird nüchtern, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück, mit Wasser. Abstand halten sollten Sie zu Präparaten mit Eisen, Kalzium und Magnesium, zu Säureblockern, zu manchen Cholesterinsenkern sowie zu Sojaprodukten und Kaffee unmittelbar nach der Einnahme, weil all das die Aufnahme vermindert. Wichtig ist die gleiche Gewohnheit jeden Tag: Sie erleichtert die Einstellung mehr als jede Feinjustierung der Dosis.
Kontrolliert wird über den TSH-Wert, üblicherweise etwa sechs bis acht Wochen nach Beginn oder nach jeder Dosisänderung, danach in größeren Abständen. Ein Wechsel des Präparats oder Herstellers kann die aufgenommene Menge geringfügig ändern; deshalb wird nach einem Wechsel früher kontrolliert. Ändern Sie die Dosis nie eigenmächtig anhand des Körpergefühls, denn eine Überdosierung belastet Herz und Knochen.
Warnzeichen: wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn unter der Behandlung Herzrasen, unregelmäßiger Puls, Brustschmerz, starkes Zittern, Schlaflosigkeit, ungewollter Gewichtsverlust oder starkes Schwitzen auftreten. Das können Zeichen einer zu hohen Dosis sein, und gerade bei älteren Menschen und bei Herzerkrankungen ist das nicht harmlos.
In die Notaufnahme eines Spitals gehören ausgeprägte Verlangsamung mit Verwirrtheit, starke Unterkühlung, sehr langsamer Puls, Atemstörungen oder Bewusstseinstrübung bei bekannter Unterfunktion: Ein solcher Zustand ist selten, aber lebensbedrohlich. Wählen Sie dann den Notruf 144.
Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem einen rasch wachsenden Knoten am Hals, Heiserkeit ohne Erkältung, Schluckbeschwerden, Atemnot im Liegen sowie eine neu aufgetretene Schwellung im vorderen Halsbereich. Und ein besonderer Hinweis für Frauen: Bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft ändert sich der Bedarf, deshalb gehört die Kontrolle dort früh und engmaschig.
Kinderwunsch und Schwangerschaft
Die Schilddrüse spielt für Fruchtbarkeit und Schwangerschaft eine größere Rolle, als vielen bewusst ist. Eine unbehandelte Unterfunktion kann den Zyklus stören und ist mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden. Deshalb wird bei Kinderwunsch und bei bestehender Schwangerschaft ein niedrigerer Zielbereich für TSH angestrebt als sonst.
Der Hormonbedarf steigt in der Schwangerschaft, oft schon in den ersten Wochen. Frauen, die bereits Levothyroxin einnehmen, sollten deshalb umgehend Kontakt mit ihrer betreuenden Ärztin oder ihrem betreuenden Arzt aufnehmen, sobald sie schwanger sind, damit die Dosis angepasst und der Wert engmaschig kontrolliert wird.
Auch nach der Geburt ändert sich der Bedarf wieder, und einige Frauen entwickeln eine vorübergehende Schilddrüsenentzündung. Das Stillen ist unter Levothyroxin möglich. Für diesen gesamten Abschnitt gilt: Die Betreuung gehört in persönliche ärztliche Hände; eine Beurteilung anhand eines Fragebogens ist dafür nicht ausreichend, und wir verordnen in der Schwangerschaft nicht.
Jod, Selen und Ernährung: was belegt ist
Jod ist Baustein der Schilddrüsenhormone, und eine ausreichende Zufuhr über jodiertes Speisesalz, Milchprodukte und Seefisch ist sinnvoll. Zusätzliche hochdosierte Jodpräparate sind bei einer Unterfunktion durch Autoimmunerkrankung dagegen nicht angezeigt und können schaden; Ausnahmen wie die Schwangerschaft legt die betreuende Ärztin oder der betreuende Arzt fest.
Selen wird häufig empfohlen. Die Datenlage zeigt bestenfalls einen Effekt auf Antikörperwerte, ohne dass daraus ein belegter Nutzen für den Verlauf oder die Beschwerden folgt. Eine dauerhafte Einnahme ohne nachgewiesenen Mangel ist deshalb nicht zu empfehlen, zumal eine Überdosierung möglich ist.
Von speziellen Schilddrüsendiäten, etwa strengem Verzicht auf Kohlgemüse oder Gluten ohne nachgewiesene Zöliakie, hält die Evidenz wenig. Sinnvoll sind eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und ausreichender Schlaf. Wer Nahrungsergänzungsmittel nimmt, sollte sie erwähnen, denn Biotin in hoher Dosis kann Laborwerte der Schilddrüse verfälschen und zu falschen Schlüssen führen.
Wie lange muss ich Levothyroxin nehmen?
Bei der häufigsten Ursache, der Autoimmunerkrankung, sowie nach Operation oder Radiojodbehandlung ist die Einnahme in aller Regel dauerhaft, weil die Hormonproduktion nicht zurückkehrt. Das ist kein Grund zur Sorge: Ersetzt wird ein körpereigener Stoff, und bei richtiger Einstellung ist die Lebenserwartung nicht eingeschränkt.
Vorübergehend ist die Behandlung bei einigen Formen, etwa nach einer Entzündung der Schilddrüse nach der Geburt oder nach Absetzen eines auslösenden Arzneimittels. Ob ein Auslassversuch sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand von Ursache, Werten und Verlauf; im Alleingang beendet wird die Einnahme nicht.
Praktisch heißt Dauertherapie vor allem eines: Die Verordnung muss rechtzeitig erneuert werden, damit keine Lücke entsteht. Für eine Folgeverordnung sind der aktuelle TSH-Wert, die bisherige Dosis und das bisherige Präparat entscheidend. Fehlt ein aktueller Laborbefund, ist zuerst eine Kontrolle nötig, weil ohne Wert weder die Dosis bestätigt noch geändert werden kann.
Warum muss Levothyroxin nüchtern eingenommen werden?
Nahrung, Kaffee und bestimmte Präparate binden den Wirkstoff im Darm und vermindern die Aufnahme. Deshalb wird etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit Wasser eingenommen, und Eisen, Kalzium, Magnesium sowie Säureblocker werden mit mehreren Stunden Abstand genommen.
Nimmt man mit Levothyroxin ab?
Bei richtig eingestellter Dosis normalisiert sich der Stoffwechsel, und eine krankheitsbedingte Gewichtszunahme kann teilweise zurückgehen. Ein Mittel zur Gewichtsabnahme ist Levothyroxin nicht; eine zu hohe Dosis schadet Herz und Knochen und wird deshalb nicht zu diesem Zweck eingesetzt.
Wie oft wird der TSH-Wert kontrolliert?
Nach Beginn der Behandlung oder nach einer Dosisänderung üblicherweise nach etwa sechs bis acht Wochen, danach bei stabiler Einstellung in größeren Abständen. Zusätzliche Kontrollen sind sinnvoll bei Präparatewechsel, bei neuen Beschwerden, bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft.
Was passiert, wenn ich eine Tablette vergesse?
Eine vergessene Einnahme fällt kaum ins Gewicht, weil der Wirkstoff lange im Körper bleibt. Nehmen Sie die nächste Dosis wie gewohnt; die doppelte Menge ist nicht sinnvoll. Häufen sich vergessene Einnahmen, wird der Laborwert unzuverlässig und die Einstellung schwierig.
Kann ich mein Folgerezept bei MEDINOW erhalten?
Eine Folgeverordnung nach ärztlicher Beurteilung ist möglich, wenn die Behandlung bereits läuft, die Dosis stabil ist und ein aktueller TSH-Wert vorliegt. Ohne Laborbefund, bei neuen Beschwerden, bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft ist zuerst eine Kontrolle in einer Ordination nötig. Wir arbeiten mit einem Fragebogen, nicht mit einer Videosprechstunde.